Transformation mit Tempo
2030 fest im Blick:
Stadtwerke Gelnhausen stellen Wärmenetz neu auf
Gelnhausen (mab). Der Auftrag ist klar, die Zeit läuft: Bis Januar 2030 müssen Energieversorger den Anteil erneuerbarer Energien in ihren Wärmenetzen deutlich steigern. Für die Stadtwerke Gelnhausen bedeutet das konkret: mindestens 30 Prozent bis 2030, 80 Prozent bis 2040. Derzeit liegt der Anteil im Netz bei 20 bis 30 Prozent. „Das ist zu wenig“, sagt Geschäftsführer Wido Wagner. Er stellt klar: „Wir müssen und wir wollen handeln.“
Bislang speisen ein Blockheizkraftwerk sowie zwei Wärmeerzeuger im Colemanpark das Wärmenetz der Stadtwerke Gelnhausen. Von dort aus werden zahlreiche öffentliche und private Einrichtungen versorgt, darunter die Main-Kinzig-Kliniken, das Hallenbad, ein Seniorenheim, die Kreissportanlage, Polizei und Feuerwehr, Schulen und Kindergärten, außerdem 18 Wohngebäude und 37 Betriebe. Das Versorgungsgebiet reicht vom Wartturm bis zum Grimmelshausen-Gymnasium und zur Stadthalle. Eine tragende Infrastruktur also – und eine, die fit für die Zukunft gemacht werden muss.
Nord und Süd – künftig getrennt
Dafür hat die EAM-Tochter einen Transformationsplan entwickelt. Kernpunkt ist die Aufteilung in zwei Bereiche: ein Nordnetz und ein Südnetz. Beide bleiben für Notfälle verbunden, sollen aber grundsätzlich getrennt betrieben werden – mit unterschiedlichen Wärmequellen.
Im Norden bleibt das bestehende Gelände im Colemanpark Dreh- und Angelpunkt. Dort soll in einer ersten Ausbaustufe eine 1,7-Megawatt-Wärmepumpe installiert werden, die die Außenluft als Energiequelle nutzt. Ziel sind rund 65 Prozent erneuerbare Energien im Nordnetz. In einem zweiten Schritt wird auch hier eine zusätzliche Anlage auf einer neuen Fläche erforderlich sein, um die langfristigen Vorgaben zu erfüllen.
Im Süden hingegen braucht es von Beginn an eine neue Heizzentrale. Geplant ist eine 1,25-Megawatt-Wärmepumpe, die ebenfalls auf Aerothermie setzt. Schon in der ersten Ausbaustufe sollen damit rund 90 Prozent erneuerbare Energien ins Südnetz eingespeist werden. Eine zweite Ausbaustufe soll das Quellenmanagement erweitern und die Effizienz weiter steigern – die Wärmepumpe bleibt dabei Bestandteil des Systems.
Neue Großwärmepumpe: Standort am Hallenbad ins Auge gefasst
Für die neue Heizzentrale im Südnetz haben die Stadtwerke eine städtische Fläche am Hallenbad ins Auge gefasst – zwischen Parkplatz und Eingang, etwa 60 Meter vom Krankenhaus entfernt. Benötigt werden rund 600 Quadratmeter für Luft-Wärmekollektoren sowie etwa 200 Quadratmeter für die Heizzentrale selbst. Voraussetzung ist die Zustimmung der Stadt.
Warum setzen die Stadtwerke auf Aerothermie? „Wir haben auch andere Technologien geprüft, etwa eine Flusswärmepumpe“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Wido Wagner. „Aber diese Varianten sind deutlich teurer. Wir wollen nicht, dass sich die Preise für unsere Kunden verdoppeln.“ Die gewählte Lösung sei effizient, wirtschaftlich und technisch bewährt.
Bleibt die Frage nach Lärm und Optik. Wie Wagner betont, liege der Schalldruck der neuen Wärmepumpe bei unter 35 Dezibel (A) und damit auf sehr niedrigem Niveau. Zudem könne der Schall durch eine entsprechende Einhausung der Anlage gezielt in Richtung Freigerichter Straße gelenkt werden. „Die gesetzlichen Vorgaben sind sehr streng, und wir werden sie selbstverständlich einhalten.“
Auch optisch soll sich die Anlage zurückhaltend in ihre Umgebung einfügen. Wagner rechnet mit einer Bauhöhe von rund drei Metern. „Es entsteht kein Kraftwerk mit Türmen, sondern eine kompakte und unauffällige Anlage.“ In einer Variante, berichtet er, ähnelt sie einem Carport mit Technikaufbau, in einer anderen stehen bauchförmige Wärmepumpenelemente am Boden. Eine Begrünung von Fassadenteilen ist vorgesehen. „Wir streben keine Brachiallösung an“, macht Wagner klar. Und die Umgebungstemperaturen? „Niemand muss einen Mantel anziehen, um ins Hallenbad zu gehen“, sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Die Auswirkungen seien marginal, messbar, aber nicht spürbar.
Einen alternativen Standort gibt es derzeit nicht, informiert Wagner. Sollte die Stadt die Fläche nicht freigeben, müsse neu gesucht werden – mit entsprechenden Verzögerungen. Der Geschäftsführer sieht allerdings gute Argumente für das Projekt: „Der Standort ist auch im Sinne der Stadt. Die Anlage soll schließlich das Hallenbad selbst mitversorgen.“ Auch mögliche Erweiterungen der Sportanlage oder des Krankenhauses würden nicht beeinträchtigt. „Wir wollen die Entwicklung in Gelnhausen nicht ausbremsen – ganz im Gegenteil.“ Zwar sind Vorplanung und Machbarkeitsstudie abgeschlossen. Allerdings kann sich die neue Stadtverordnetenversammlung erst nach der Kommunalwahl und somit frühestens im Mai mit dem Thema befassen. Planung, Ausschreibung und Umsetzung können erst erfolgen, wenn die Stadt den Standort freigegeben hat.
Der Zeitplan ist ambitioniert
Wagner rechnet dennoch damit, den Zeitplan einhalten zu können, zumal bis auf einige Erdarbeiten und Leitungsverlegungen keine größeren Bauarbeiten erforderlich seien. Die Installation der Kollektoren und der Technik könne vergleichsweise schnell erfolgen.
Dennoch: Die Lieferzeiten für technische Komponenten sind lang. „Deshalb müssen wir jetzt Tempo machen“, sagt Wagner. Sämtliche Materialien und Bauleistungen sollen ausgeschrieben werden, um die wirtschaftlichste Lösung zu erzielen. Ziel bleibt, die Belastung für die Kunden so gering wie möglich zu halten.
Für die Stadtwerke Gelnhausen steht fest: Saubere Wärme ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern ein strategisches Ziel. „Alle profitieren davon, wenn wir künftig klimafreundlich und zugleich bezahlbar Wärme für Gelnhausen erzeugen“, sagt Wagner.
Quelle: GNZ



